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Wer war der heilige Clemens? - Teil 3

Der Heilige Clemens, römischer Bischof und Nachfolger des Apostels Petrus

In den letzten beiden Artikeln haben wir einiges erfahren über das Leben des Hl. Clemens, über die Darstellung Quellwunder in unserer Pfarrkirche und über die Bedeutung des Ersten Clemensbriefes.

Diesmal wollen wir uns genauer mit dem Leben unseres Kirchenpatrons in Rom beschäftigen und beginnen mit dem zweiten großen Deckengemälde im Gemeinderaum in unserer Kirche. Dieses Gemälde entstand 10 Jahre nach dem Chorfresko, ist vom Maler Ignaz Paur gemalt (pinxit) und auf dem Obelisken an der Westseite des Freskos signiert: 

„J.Paur/pinxit/ 1776“.  Er war Schüler des berühmten Matthäus Günther (1705 bis 1788). Beide arbeiteten 1761 zusammen in der Pfarrkirche in Oberammergau. Das Deckengemälde in St. Peter und Paul in Mittenwald  (1740 von Matthäus Günther) zeigt eine ähnliche Komposition wie in Eschenlohe.

 

Was wird nun auf dem Deckengemälde in St. Clemens dargestellt? Das Deckengemälde über dem Gemeinderaum entführt uns in eine antike Stadtarchitektur mit Arkaden, Säulen, Toren und einem Obelisken, so wie sich der Maler Rom, zur Zeit vom Bischof Clemens, vorstellte. In diesem unteren irdischen „Kreis“ werden verschiedene Arten von Folterungen und Hinrichtungen dargestellt, wie sie christliche Märtyrer*innen in den ersten Jahrhunderten erdulden mussten. Als Papst bestimmte Clemens 7 Notare für die 7 Bezirke Roms, die die Martyrien der verfolgten Christen aufzeichnen sollten. In ihren Schreibgewölben halten sie diese schriftlich fest. Darauf weisen auch die von Engeln gehaltenen Spruchbänder „ACTA MARTYRUM“ hin. Im himmlischen Zentrum des Kuppelgemäldes ist die Verherrlichung des Hl. Clemens dargestellt. Christus empfängt den Heiligen im Himmel, außerdem sind Petrus und Paulus dargestellt sowie die Päpste Linus und Anaklet, die unmittelbaren Vorgängen des Hl. Clemens. Zentrale Handlung ist die Schlüsselübergabe an Petrus. Damit wird die hervorgehobenen Stellung des Bischofs von Rom betont. 

Die Gebeine des Hl. Clemens werden heute in der Kirche San Clemente in Rom in der Nähe des Kolosseums aufbewahrt. Sie steht nach der Überlieferung an der Stelle von Clemens‘ Elternhaus. Auf römischen Gebäuderesten (1. bis 3. Jahrhundert) wurde ~384 eine frühchristliche Basilika errichtet und ab 1108 darüber eine mittelalterliche Basilika. Die um 1118 entstandenen Mosaiken in der Apsis zeigen das Kreuz, von Weinranken umgeben, die die wachsende christliche Gemeinschaft symbolisieren sollen. Auf dem rechten Apsisbogen sind ganz oben Simon Petrus mit Schriftrolle und der römische Bischof Clemens I. mit dem Anker als Zeichen seines Martyriums dargestellt.

 

 

Der Hl. Clemens hat auch eine große Bedeutung für die Orthodoxe Kirche. Die Slawenapostel Kyrill und Method fanden der Legende nach die Reliquien des Hl. Clemens auf der Halbinsel Krim und ließen sie 867 nach Rom überführen. Kyrill ist ebenfalls in San Clemente beigesetzt. Da er der Nationalheilige von Bulgarien ist, wurde sein Grab von der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche zu einem Pilgerziel ausgebaut.

 

Auch für die südspanische Stadt Sevilla ist der Hl. Clemens mit der dort verwahrten Reliquie von großer Bedeutung. Am 23. November wird hier jährlich die Rückeroberung der Stadt von den Mauren im Jahr 1248 gefeiert.

Das Patrozinium des Hl. Clemens wird bei uns in Eschenlohe ebenfalls am 23. November gefeiert, kurz vor dem 1. Advent.

 

Dazu die Bauernregel: 

“Dem heil´gen Clemens traue nicht, denn selten zeigt er mild´s Gesicht“.

 

 

Quellen: Kirchenführer Pfarrkirche St. Clemens in Eschenlohe, Lindenberg 2010

https://www.heiligenlexikon.de/ BiographienC/Clemens _l.html, 4.4.2021

https://de.wikipedia.org/wiki/San_Clemente_(Rom), 30.4.2021

 











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